Wagenbau für den Erpeler Blumenkorso 2015


Rhein-Zeitung vom 19. September 2015

Erpeler Wagenbau ist in der heißen Phase

Vorbereitungen für den Blumenkorso laufen auf Hochtouren – Motiv des neuen Wagens noch geheim

von Sabine Nitsch

Viele Ehrenamtliche engagierensich
seit vielen Jahren beim Wagenbau.
Ohne die helfenden Hände ginge
es nicht.

Erpel.   Angela Dung hat alle Hände voll zu tun. Seit Monaten plant und baut sie zusammen mit ihrem Team die Wagen für den Erpeler Blumenkorso, der am Sonntag Höhepunkt des Erpeler Weinfestes ist. Jetzt hat die heiße Phase begonnen. Jeden Abend trifft sich nicht nur der harte Wagenbaukern, sondern immer mehr Helfer stoßen dazu. Denn es gibt enorm viel zu tun, damit am Sonntag 80.000 liebevoll auf die Wagen gesteckte Blüten wieder die vielen Besucher begeistern können. Auch Weinkönigin Sara Kirschbaum und Bacchus Andreas Schwager legen mit Hand an. Jede Hand wird gebraucht, sagen die beiden.

Der Blumenkorso ist ein Erpeler Gemeinschaftsprojekt, das viele verschiedene Spezialisten erfordert. Zum Beispiel Leute, die schweißen können. Dieses Mal gibt es einen ganz neuen Wagen. Das Metallgerüst musste komplett neu aufgebaut werden, erläutert Angela Dung, die mehr allerdings nicht verraten will. Es soll eine Überraschung sein. Es fährt übrigens auch ein Bett mit, verrät sie lachend. Die Herausforderung hier: Das Bettzeug musste aus Styropor geschnitten werden. So was lernt man im Laufe der Jahre, genau wie das Nähen von Schaumstoff, mit dem die großen Motive auf den Wagen eingepackt werden, erläutert Angela Dung, die ebenso wie ihre Schwester Ursula seit mehr als 20 Jahren beim Wagenbau hilft.

Mit in dem seit Jahren erprobten Kernteam sind unter anderen auch Wilfried Beyer, Walter Nonnen, Annemie Zimmermann, Manfred Wölk und Rudi Richarz. Anneli Mörchen ist gerade dabei, das „Erpeler Kännchen“ mit Schaumstoff, Draht und Nadel einzupacken. Das geht in die Finger, sagt sie. Alle Wagen werden derzeit in der Wagenbauhalle komplett mit Grün verkleidet. Tannenzweige und andere Nadelgehölze werden in den Hasendraht auf den Wagen regelrecht hineingewoben, bis von dem Unterbau nichts mehr zu sehen ist.

Einige Motive kommen im Laufe der Jahre mehrfach zum Einsatz. Nicht dabei ist diesmal „Molly“, die Insider sofort als die Lokomotive von Jim Knopf erkennen. Sie ist täuschend echt aus Kunststoff gefertigt und kam zum Einsatz, als der Blumenkorso vor zwei Jahren das Motto Märchen hatte. Sie gehört zum Fundus, meint Angela Dung. Alte Motive müssen aber jedes Mal komplett aufgearbeitet werden, erläutert Hans-Jürgen Freund.

Bis Freitag müssen alle Arbeiten fertig sein. Dann werden die Blüten von dem Erpeler Dahlienliebhaber Bernd Walbrück und Blumen aus Holland angeliefert. Insgesamt 80.000 Stück, die am Samstag auf die Wagen gesteckt werden. Vereine und Privatleute kommen, um zu helfen. Im Laufe des Tages werden so etwa 100 Leute mit Hand anlegen. Der Kindergarten steckt die Blumen selbst an seinen Wagen, sagt Angela Dung.

Auch Marie Luise Scholl, die vor 50 Jahren Weinkönigin in Erpel war, schaute vorbei. Damals war der Blumenkorso kleiner, aber es standen noch mehr Menschen am Zugrand, erinnerte sie sich. Sollten heute noch viel mehr Menschen kommen, müsste die Alte Herrlichkeit aber wohl wegen Überfüllung geschlossen werden.