von Sabine Nietsch, Rhein-Zeitung vom 21. September 2009
Dass es am Mittelrhein schön ist, ist nichts Neues. Aber richtig paradiesisch wird es dann, wenn ein Ort in einem echten Blumenmeer versinkt.
ERPEL. Tolles Blumenkorsowetter, wie es besser nicht sein konnte, lockte Tausende nach Erpel, die den Höhepunkt des Weinfestes in der "Alten Herrlichkeit" erleben wollten. Aber nicht nur das Wetter und das viertägige Weinfest im festlich geschmückten Ort, sondern auch der Weinfestumzug setzte das Motto "Rheinland, Weinland – ein Stück vom Paradies auf Erden" eindrucksvoll in Szene.
50 000 Dahlien, Tagetes, Astern und Sonnenblumen schmückten die 13 prächtigen Motivwagen des Blumenkorsos und verwandelten Erpel in ein Blumenmeer. Sie wurden begleitet von zwölf fantasievoll kostümierten Fußgruppen – darunter allein 160 Kinder aus Schule und Kindergarten – sowie zahlreichen Musikkapellen, die durch die Altstadt zogen.
Dort verfolgten die Zuschauer dicht gedrängt, wie Weinkönigin Saskia I. und ihre Weinprinzessinnen Sissi und Tonia fröhlich, aber huldvoll von ihrem mit einer Krone geschmückten Wagen winkten. Bacchus Carlo residierte währenddessen mit seinen Bacchantinnen Diana und Natalie – wie es sich für einen echten Weingott gehört – in einem prachtvollen antiken Tempel.
Der Einfallsreichtum der Mitglieder des Brauchtumsvereins „Freunde des Erpeler Weinfestes“, die
das Fest organisieren und die Wagen bauen, schien wieder einmal grenzenlos. Diesmal thematisierten die
Wagenbauer zum Beispiel die „Erpeler Sturmfahrt“ des Zeppelins LZ 5, als Graf Zeppelin wegen
eines Gewittersturms die Fahrt über der Erpeler Ley abbrechen und umkehren musste.
Auch ein großer, blumengeschmückter Teufel mit vielen kleinen Nachwuchsteufelchen wollte ins Paradies.
Die Pforte blieb jedoch verschlossen, und die Erpeler fragten Wolle mer se nei lasse – ins rheinische
Paradies, um sie an der Heiterkeit und Weinseligkeit beim Weinfest teilhaben zu lassen?
Dabei hielt den
Schlüssel zum Paradies auf Erden Ursula Maur, die Deutsche Weinkönigin von 1984/85, in Händen,
die anlässlich ihres Silberjubiläums im eigenen Festwagen beim Blumenkorso mitfuhr.
In einem Nachen befuhren Christa Keßler, Weinkönigin 1959/60, und Steffi Hamacher, Weinkönigin
1984/85, den Blumenkorso. Das Motiv erinnerte daran, dass Christa Kessler die einzige Erpeler Weinkönigin
ist, die jemals über den Rhein zum Weinfest geleitet wurde. Auch ein Paradiesvogel durfte im Angesicht des
Mottos beim Umzug nicht fehlen.
Was für die Zuschauer ein Augenschmaus ist, bedeutet für die Helfer harte Arbeit. Die ganze Nacht
hindurch, bis kurz vor Beginn des Zuges, wurden noch Blumen gesteckt. Damit alles so frisch wie
möglich ist
, sagte Festzugleiter Bernd Walbrück, in dessen Garten jedes Jahr Tausende von
Dahlien für den Korso wachsen.
Bereits am Freitag starteten die Erpeler mit ihren Gästen in das viertägige Weinfest, das heute mit
dem Gipfeltreffen der Weinköniginnen der Region zu Ende geht. Bei der offiziellen Festeröffnung im
romantischen Weindorf im Schatten der Pfarrkirche hatten sich zahlreiche Kinder mit Fackeln am Haus der neuen
Regentin Saskia I. versammelt. Sie geleiteten sie mit ihren Weinprinzessinnen samt Bacchus per Fackelzug durch
den historischen Ortskern ins Weindorf.
Ortsbürgermeisterin Cilly Adenauer eröffnete das Fest und dankte vor allem Werner Henneker und Bernd
Walbrück für ihren Einsatz seit 25 Jahren: Henneker als Vorsitzenden des Brauchtumsvereins und
Walbrück als Festzugleiter. Der Samstag stand im Zeichen rheinischer Geselligkeit, die im Weindorf und den
angrenzenden Gaststätten bis in die frühen Morgenstunden dauerte.
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