Werner Lamberz, Rhein-Zeitung vom 1. September 2008
ERPEL. Jetzt weiß ich auch den Begriff Weinkönigin so richtig zu begreifen: Ich habe im Laufe meiner Regentschaft vor vielen Leuten gesprochen, es war eine
, sagte Heike Scholl, scheidende Weinkönigin der Erpeler Herrlichkeit. Bei ihrer Abschlussrede vor 300 Gästen im Bürgerhaus musste sie mit den Tränen kämpfen. Zuvor gaben die Musiker der „Timbre Tajiri“, der befreundeten Musikvereinigung aus Baarlo in Holland, ein zweistündiges Konzert in Erpels „guter Stube“.
superjeile Zick
, aber jetzt wo es dem Ende zu geht, ist mir richtig zum Heulen zumute
Nicht weniger als pure Begeisterung löste die Brassband aus, ehe die neue Regentin gekrönt wurde. Vor 25 Jahren kamen die damals sechs holländischen Musiker der Gruppe „De Laate“ nach Erpel, um dort ein rheinisches Weinfest zu feiern. Aus dem Besuch wurde eine 25-jährige Freundschaft. Die Gruppe wuchs im Laufe der Jahre auf die Größe einer Bigband an und nennt sich heute „Timbre Tajiri“. Pit Cotjans, ein Gründungsmitglied, ist heute noch aktiv dabei. Für ihn war es eine besondere Ehre, dass sich zum Jubiläum auch die Erpeler Weinköniginnen der vergangenen 25 Jahre die Ehre gaben und charmant die Bühne stürmten.
Nach so viel Jubel wurde es still im Saal, und Petra Gysen, die Sängerin der holländischen Gruppe, stimmte „Time To Say Goodbye“ an. Die beiden Offiziere der Erpeler Junggesellen, Michael Dung und Philipp Krüger, begleiteten die noch amtierende Weinkönigin Heike Scholl und Weinprinzessin Annika Bent.
Mit einer emotionalen Rede, die den Zuhörern unter die Haut ging, bedankte sich Scholl bei allen, die ihre Regentschaft als Weinkönigin in ihrem Heimatort Erpel unvergessen gemacht haben. Mit einem Film über das vergangene Regierungsjahr bedankte sich die Majestät und erhielt dafür von der Menge einen tosenden Applaus. Alles hat ein Ende, und das ist jetzt
, sagte Scholl, die ihre Krone auf das Samtkissen legte und von den Offizieren in den Saal geführt wurde.
Unter den Klängen des Erpeler „Tambour-Corps“ zog nun die neue, bis dahin noch geheim gehaltene Weinkönigin nebst Prinzessinnen und dem Erpeler Bacchus ein. Beim Anblick des Weingottes schauten die Gäste im Bürgerhaus nicht schlecht: Der Patron mit Weinlaub auf dem Haupt kam zum ersten Mal in Begleitung von gleich zwei „Bacchantinnen“.
Die Überraschung war auch bei der neuen Regentin gelungen: Keiner wusste es, aber jeder kennt Natalie Kuhn, ein Erpeler Mädchen. Schon als kleines Mädchen habe sie, wie sie selbst sagte, jedes Jahr die Weinkönigin auf dem mit Blumen geschmückten Wagen beim Korso bewundert und sich ein Ziel gesetzt. Wenn ich groß bin, werde ich auch einmal Weinkönigin sein.
Zurzeit studiert sie in Tilbourg in Holland das Fach „Internationales Business“. Ihr zur Seite stehen zwei Weinprinzessinnen: Melanie Schüler ebenfalls Erpelerin, Studentin in Mainz, hat das Lehramt im Visier. Ihr Hobby ist das „Tambour-Corps Erpel“, bei dem sie selbst aktiv ist. Prinzessin Anna Kenn ist jetzt schon ein „alter Hase“ an der Seite von Majestäten. Für sie beginnt ihre zweite Amtszeit in Folge. Im Oktober beginnt sie ihr Studium als Dolmetscherin. In der Erpeler Prinzengarde wirbelt sie als Tänzerin über die Bühne. Eins haben die drei gemeinsam: Sie lieben den Wein – besonders halbtrockenen Riesling.
Die Ex-Regentin Brigitte Buchmüller überreichte die Krone, und jetzt konnte Natalie endlich loslegen mit dem Weinspruch: Musik und Wein kommen aus Erpel am Rhein
.
Über Bacchus Carlo Heinicke, der mit seiner Familie seit elf Jahren in Erpel lebt und nun schon zum dritten Mal in die Rolle des Weingottes schlüpft, gibt es nur Gutes zu berichten, hieß es. Vor allem verstehe er es, richtig zu feiern
. Von sich selbst sagt Heinicke, dass er den Rotwein liebt. Und das „Amt“ des Bacchus in Erpel sei genauso schön wie das des Karnevalsprinzen in Köln
.
An seiner Seite gibt es zwei „Bacchantinnen“: Eine von ihnen ist Natalie Tillmann, ebenfalls ein Erpeler Gewächs und Tochter des vor drei Jahren verstorbenen langjährigen Bacchus Peter Bach. Sie übernehme das Amt im Gedenken an ihren Vater, der das auch mit Leib und Seele tat. „Bacchantin“ Diana Weich ist ebenfalls Erpelerin. Als Hobby nennt sie das Tanzen und das Trainieren einer Gardetanzgruppe.
Im Anschluss an die Vorstellung der neuen Weinmajestäten samt Hofstaat und Gefolge trieb die Gruppe „Timbre Tajiri“ die Stimmung mit Weinlieder und reichlich guter Musik auf den Höhepunkt. Kein Wunder, dass kein Besucher so richtig an den Nachhauseweg denken wollte.
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