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Die Sage vom Drachenfels In frühen Zeiten, bevor der Burggraf auf dem Drachenfels hauste, gab es einen ungeheuren Drachen am Berggipfel. Er hatte kräftige Harthornplatten, die als Panzerung dienen. Ein Zackenkamm vom Kopf bis zum Schwanz schützte ihn zusätzlich und machte ihn besonders bedrohlich. Zudem hatte er große Krallen und schlimmere Zähne als ein Krokodil. Seine Gefräßigkeit war so groß, dass er sogar andere Drachen fraß. Nun war er einsam und der letzte seiner Art am Drachenfels. Wenn er wütend wurde, schnaubte er und Rauch und Flammen drangen aus seinem Mund. Die Bewohner des Rheintales hatten große Angst vor dem Dra-chen, der in einer Höhle am Drachenfelshang wohnte. Da sie ihm schutzlos ausgeliefert waren, verehrten sie ihn und gaben ihm Opfer preis. Der Drache war aber anspruchsvoll und musste jedes Jahr eine Jungfrau zum Fraß bekommen. Eines Tages kam ein junger Held rheinaufwärts geritten. Natürlich hatte er ein schneeweißes Ross. Sein Name war Siegfried. Bei Xanten wurde dieser Held auf dem Fürstenberg geboren. Sieglinde hatte dem Frankenfürsten Siegmund einen Sohn geschenkt, der später eine Heldentat vollbringen würde. Siegfried wurde schnell mit Waffen vertraut gemacht und war sehr geschickt. Er ritt vom Niederrhein aus den Strom aufwärts, wo er in ein böses Unwetter kam. Vor des Nibelungenkönigs rauchiger Schmiede pochte er an die Tür und fand Einlass. Siegfried bat den König und sagenhaften Zwerg Alberich sehr höflich, dass er ihn aufnehmen möge. Der König dachte, ein Geselle wäre nicht schlecht. Siegfried musste sich auf ein Jahr verpflichten, und so ging Siegfried beim König in die Lehre. Der König war aber nicht offen und ehrlich zu seinem Gesellen und schmiedete heimlich in der Nacht Gold und Edelsteine. Erst am Ende seiner Gesellenzeit entdeckte Siegfried das viele Gold. Beleidigt schlug er Schmiedebolzen in den Boden. Der Nibelunge erschrak und sagte voller List: "Wie bist Du doch stark, mein Held! Gehe hin zum Köhler bei Heisterbach, der brennt mir im Buchenholzmeiler die Holzkohle für meine Schmiedefeuer. Ich kann die Last nicht mehr schleppen. Bringe mir, Siegfried, einen Sack voll Kohle mit nach Haus!" Siegfried wanderte los und traf den Köhler. Er war ein wilder, rußiger Riese voller Kraft. Was Siegfried nicht wusste, der Köhler hatte den Auftrag, den, den der Schmied schickte, umzubringen. Erst als der Köhler ihn mit Bärenpranken zur Kehle griff, wusste er vom Verrat des Nibelungen. Siegfried schlug dem Riesen einen Fuß und später, als er sich immer noch wehrte, den Kopf ab. Der tückische Zwergenkönig hatte nun fest damit gerechnet, dass Siegfried von dem Köhler erschlagen würde und war überrascht, als er munter zurückkehrte. Der Zwergenkönig hatte alle seine Schätze um sich herum ausgebreitet, um sich des Anblicks zu erfreuen. Schnell tötete Siegfried den König mit einem gezielten Schwerthieb und raffte den Schatz des Königs in lederne Säcke. Diese vergrub er im Boden der Schmiede. Der Jüngling suchte nach einem besseren Versteck für seinen Schatz und kam daher ins Siebengebirge. Männer und Frauen sandten zu dieser Zeit Verwünschungen einen Fels hin-auf. Des Drachen Jungferntribut war an diesem Tag fällig. Mit einem zitternden Mädchen kehrten die heidnischen Krieger vom christlichen Rheinufer wieder. Der Drache dort oben verlangte sein Opfer. Siegfried sagte: "Ach, dafür habt ihr das Mädchen geraubt?" Die Leute entgegneten: "Wenn wir kein Mädchen finden, raubt der Drache eines der unsrigen". Siegfried sagte sich: "Nur der Drachentod kann das Mädchen retten." Als das Opfer den Weg zum Drachenfels hinaufging, machte sich auch Siegfried auf den Weg. Er war entschlossen, den steileren Weg zu nehmen und vor dem Opfer anzukommen. In fröhlicher Erwartung lauerte der Drache in seiner Höhle und hörte mit Lust das Unterholz knacken. Als der Drache seine Höhle verließ, verließ ihn auch seine Freude, denn ein junger, kampfeslustiger Recke stand vor ihm und kein verängstigtes Mädchen. Es gab einen ungleichen Kampf. Das Ungetier hatte Panzerplatten und konnte mit Hieben von der Seite und oben nicht verletzt werden. Aus seinem Maul kam der Feuerstrahl geschossen, so dass unser Held sehr vorsichtig hin und her sprang. In einer Kampfpause hatte Siegfried eine im wahrsten Sinne des Wortes zündende Idee. Er raffte eilig Holz zusammen, welches er dem Drachen bei dessen Angriff ins Maul warf. Das Holz brannte in seinem Mund lichterloh. Das Tier bäumte sich auf, der Hals blieb ungeschützt, und der Held stieß ihm das Schwert in den weichen Hals. Sofort schwoll ein Blutstrom aus dem Hals. Die Kraft des Drachen schwand, und wilde Zuckungen waren das Ende des Drachen. Im Feuer schmolz die schützende Hornhaut des Drachen dahin. Siegfried steckte einen Finger in die Hornhaut. Sofort war der Finger von einer schützenden Hornhaut umgeben. Als er das beobachtete, badete unser Held in der Hornhaut und bekam so seine schützende Haut, die ihn unverwundbar machte. Nur eine kleine Stelle am Rücken blieb ohne diese schützende Haut, da sich hier ein Lindenblatt verfing. Ahnungslos kamen die Heiden mit der Jungfrau vor die Drachenhöhle. Sie banden die Jungfrau an die Eiche und entschwanden eilig. Siegfried rief: "Hallo, ihr Feiglinge! - Warum kämpft ihr nicht mit dem Drachen?" "Der ist unverwundbar", sagte einer von ihnen. Sofort zog Siegfried das abgeschlagene Haupt hervor. Schaudernd wichen die Heiden von ihm. Siegfried befreite das Mädchen und brachte es zu den Eltern heim. Nächtelang grub er den Nibelungenschatz aus der Grube des Schmiedes und versteckte es in der Drachenhöhle, bevor er sich zu neuen Taten aufmachte. |